09.03.2022

Angelnde Pharaonen und alles rund ums Fliegenfischen

Die Geschichte des Fliegenfischens ist weit älter, als die meisten ahnen. Mittlerweile taucht sie in den verschiedensten Formen auf, unter denen der vermeintliche Klassiker eigentlich gar keiner ist. Davon und mehr lesen Sie hier.

Beim Fliegenfischen ist, im Gegensatz zu anderen Angelmethoden, der Köder (Fliege) zum Werfen zu leicht – daher wird das Eigengewicht der Schnur zum Wurfgewicht. Die richtige Wurftechnik entscheidet so über Erfolg und Misserfolg. Fliegenfischen ist bis auf wenige Ausnahmen auf alle Fischarten möglich, die klassischen Ziele sind die Salmoniden (z.B.: Huchen, Forelle, Lachs). Das Fischen mit der Fliege gilt als eine Kombination aus Angeln und Jagen, denn der Fischer ist ständig in Bewegung und versucht mit präziser Beobachtung und dem nötigen Geschick, einen Fisch an die Angel zu bekommen.

Fischende Pharaonen

Die Geschichte des Fliegenfischens reicht weit zurück: Auf einem ägyptischen Kupferstich aus dem Jahre 2.600 vor unserer Zeitrechnung finden sich erste Hinweise auf den Einsatz. Im europäischen Mittelalter war das Fischen mit einer Feder als Köder weitverbreitet. Um 1800 erlebte das Fliegenfischen in Großbritannien einen regelrechten Boom und war mit der Gründung des weltweit ersten Fliegenfischerverbandes endgültig in der Gesellschaft angekommen.

Nassfliegenfischen – der Oldie

Nassfliegenfischen ist die älteste Form des Fliegenfischens. Bei dieser Art des Fliegenfischens wird mit dem Köder ein ertrunkenes Insekt imitiert, das knapp unter der Wasseroberfläche treibt. Für Anfänger ist diese Variante sehr zu empfehlen, weil sich Fehler nicht so stark auswirken und man mit ihr am schnellsten zum Erfolg kommt.

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Fliegenfischen erlebt gerade einen regelrechten Boom

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Fliegenfischen ist bis auf wenige Ausnahmen auf alle Fischarten möglich

Trockenfliegenfischen – der Klassiker

Das Trockenfliegenfischen gilt unter vielen Anglern als das klassische Fliegenfischen, obwohl das Nassfliegenfischen die geschichtlich ältere Variante ist. Bei dieser Methode treibt der Köder auf der Wasseroberfläche, dies wird durch die Verwendung schwimmenden Materials oder durch Einfetten der Fliege erreicht. Mit Trockenfliegen werden hauptsächlich Fische gefangen, die Insekten von der Wasseroberfläche fressen.

Nymphenfischen – die Jungen

Beim Nymphenfischen sinkt der Köder, ähnlich wie beim Nassfliegenfischen, unter die Wasseroberfläche. Aber im Gegensatz zur Nassfliege werden nicht tote, sondern neu geborene Insekten (Larven) imitiert. Nymphen sind in den meisten Fällen mit einer Goldkopfkugel, Wolframkugel oder einem Bleidraht beschwert.

Streamerfischen – die Künstlichen

Streamerfischen stellt die Grenze zwischen Fliegenfischen und Spinnfischen dar. Mit künstlichen Ködern, die kleine Fische oder Säugetiere imitieren, werden gezielt Raubfische befischt. Als „Fliegen“ können die Köder nur insofern bezeichnet werden, da sie aus Fliegenbinder-Materialien wie Federn, Haaren oder Garn hergestellt werden.

Der Switchcast: ein Wasserwurf bei geringem Platz

Fliegenfischen: Jan Kubala zeigt den Switchcast.

Der entscheidende Unterschied

Das Fliegenfischen unterscheidet sich etwas vom „normalen“ Angeln, deshalb muss auch Gerät und Technik den Erfordernissen angepasst werden.

  • Fliegenrute: variiert in der Länge, je nach Zielfisch und Gewässer, zwischen 2,10 Meter bis zu 3 Meter
  • Schnurklasse: Je höher die Schnurklasse, desto schwerer kann der benutzte Köder sein. Für kleinere Fische (Forelle oder Äsche) die Klassen 4 und 5, für größere kampfstärkere Fische (Hecht oder Karpfen) die Klassen 7 und 8.
  • Die Rolle: muss zur Fliegenrute und Schnurklasse passen. Fliegenrollen haben ein Bremssystem oder zumindest eine mechanische Hemmung. Auch hier muss die Ausrüstung an den gewünschten Fisch angepasst werden.
  • Der Köder: Die Formen und Farben der Fliegen sind unzählbar, die gängigsten Saisonköder haben wir hier zusammengefasst: 10 Fliegen für den perfekten Saisonstart

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Die richtige Ausrüstung bringt den Erfolg

Oase der Fischer

In unserer schnellen und hektischen Welt suchen immer mehr Menschen Entschleunigung und die Nähe zur Natur. Das Fliegenfischen bietet diesen Rückzug zu Ruhe und Entspannung wie kaum eine andere Sportart. Durch den besonders schonenden Umgang mit dem Fisch gibt es jederzeit die Möglichkeit, den Gefangenen wieder in die Freiheit zu entlassen. An der frischen Luft, dem Rauschen des Wassers lauschend mit dem perfekten Wurf am Anschlag, gibt es kaum eine bessere Oase der Entspannung.

Ein Text von Lukas Renner

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